Torro
ein Cao da Serra da Estrella, ein portugiesischer
Herdenschutzhund, wurde auf einem Bauernhof irgendwo in Südportugal geboren und trat mit ca. neun
Wochen die größte Reise seines Lebens an. Versteckt unter dem Beifahrersitz eines VW-Buses verschlief er die
entscheidenden Momente der Grenzkontrollen und kam somit unentdeckt als
illegaler Einwanderer nach Deutschland. Dadurch wurde nicht nur sein Schicksal
besiegelt, auch mein Leben nahm, wenn auch viel später, durch ihn eine neue Wendung.
Als ich ihn das erste Mal sah, passierte das rein zufällig
und unser Zusammentreffen dauerte nur
ein paar Minuten, aber ich habe es trotzdem nie vergessen. Zu beeindruckend war
dieser Hund, riesig groß und einfach umwerfend - nicht nur körperlich.
Erst viel später traf ich ihn wieder und so passierte es,
dass ich die letzten 5 Jahre seines Lebens mit ihm verbringen durfte. Und
vieles, was ich bisher über Hunde zu wissen glaubte, wurde durch ihn in Frage
gestellt.
Jeder Hund ist ein besonderer Hund – und Torro war eben (m)ein besonderer Hund. Stur wie ein
Panzer vereinte er alle herdenschutzhundtypischen Eigenschaften in seiner
Person. Er war eine echte Hundepersönlichkeit, ein souveräner Rüde mit eigenem
Kopf und großem Herz, ein echter Hundebär! Floyd Floyd hatte sein Leben als Kettenhund irgendwo in Spanien verbringen müssen, bis er abgegeben wurde, da man einen neuen Hund hatte. Er kam also in eine Tötungsstation, kurz bevor der örtliche Tierfänger, der gleichzeitig auch die Hunde in der Tötung betreut, Urlaub machte. Der Einfachheit halber sollten daher alle Hunde eingeschläfert werden. Zum Glück konnten Tierschützer vor Ort durchsetzen, dass die Hunde am Leben gelassen wurden, da sie (die Tierschützer) die Betreuung für die Dauer des Urlaubs übernahmen. Jedoch war die Gefahr groß, dass die Hunde nach Ablauf der Frist doch getötet würden und so versuchte man, sie irgendwie dort heraus zu bekommen, was auch gelang.
Floyd war einer dieser Hunde und ich beschloss, ihn vorübergehend als Pflegehund aufzunehmen. Ich wusste nichts über ihn und hatte nur ein Bild dieses abgemagerten Hundes gesehen und auch die spanischen Tierschützer konnten keine Angaben machen, da sie ihn ja nur kurze Zeit betreut hatten.
So kam er also nach Deutschland und brachte nicht nur einen Haufen Flöhe sondern bedingt durch seine Vorgeschichte auch eine Menge Probleme mit sich. Floyd hatte offensichtlich noch nie im Haus gelebt und war nicht stubenrein. Er kannte nicht viel und reagierte in vielen Situationen äußerst unsicher, wobei er dann auch gern mal versuchte, zuzuschnappen. Trotzdem meinte er aber hin und wieder, seinen Job als Hund erledigen zu müssen, und so konnte es anfangs schon mal passieren, dass er zB Besucher völlig unvermittelt auf dem Weg zur Toilette gestellt hat. Er hatte schreckliche Angst, allein gelassen zu werden und es war intensives Training erforderlich, bis auch das kein Problem mehr für ihn darstellte.
Es war nicht immer einfach mit ihm, aber er hat alles gelernt, was er lernen musste. Und da Baba so überaus glücklich mit ihm war, wurde auch bald klar, dass er bleiben durfte und wir keinen neuen Platz mehr für ihn suchen würden. Floyd hat leider nicht mehr viel Zeit gehabt. Ein Jahr und einen Tag nach seiner Ankunft in Deutschland musste er eingeschläfert werden.
Dein Aufenthalt hier war leider viel zu kurz – ich hoffe, Du hast ihn trotzdem genossen! Baba
Baba kommt aus der gleichen Tötungsstation wie Floyd. Sie wurde abgegeben, weil sie angeblich nicht zur Jagd taugte. Wer weiß, wie spanische Jäger mit ihren Hunden umgehen, der weiß, dass sie noch Glück gehabt hat, überhaupt abgegeben worden zu sein.
Die Entscheidung, mein Hund zu werden hat übrigens eindeutig Baba getroffen – nicht ich.
Sie kam mit einigen anderen Hunden aus Spanien und sollte auf einen Gnadenhof in Norddeutschland kommen. Auf dem Transport dorthin lernte ich sie kennen und sie hat es mit dem ihr eigenem Charme innerhalb kürzester Zeit geschafft, sich in mein Herz zu schleichen. Nachdem der sogenannte Gnadenhof sich als absolut unakzeptabel herausstellte war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie bei mir einzog.
Baba bestand anfangs nur aus Angst. Angst vor allem und jedem, besonders aber vor Männern, tiefen Stimmen, Hüten, Stöcken, geschlossenen Räumen und leisen Geräuschen. Eine einzige unbedachte Bewegung konnte ausreichen, dass sie am ganzen Körper schlotterte oder sogar unter sich machte. Es hat Wochen gedauert, bis sie sich überhaupt getraut hat, ein Schweineohr zu fressen. Und niemand kann sich vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als sie zum ersten (und einzigen) Mal ein Stückchen Wurst geklaut hat. Es war einfach unglaublich toll zu sehen, dass dieser Häufchen Elend sich traute, einen eigenen Willen zu zeigen und sich etwas nahm.
Offensichtlich hatte sie bereits einen Schlaganfall, anfangs konnte sie ihren Kopf überhaupt nicht gerade halten und - (ich will hier nichts beschönigen) - vielleicht hat sie auch einen ganz ganz klitzekleinen Schaden im Hirn davon getragen – die Schlauste ist sie jedenfalls nicht. Aber das macht nichts.
Baba ist ein Schaf im Hundepelz, ein sanftmütiges Lamm, für das Aggressivität ein Fremdwort ist. Und es ist einfach schön zu sehen, wie sie zu einem agilen, aktiven Hund wird, sobald sie ihrer Leidenschaft, dem Rennen und Schnuppern, nachgehen darf.
Im Umgang mit anderen Hunden erstaunt sie mich immer wieder. Sie schafft es innerhalb kürzester Zeit, auch den aufgeregtesten Junghund zu beruhigen und hat noch nie mit irgendeinem Artgenossen Ärger bekommen. Als Floyd anfangs Angst hatte, die Treppen herunter zu gehen, hat sie seine Panik sofort erkannt und ist 20 Minuten lang immer wieder vor ihm die Stufen herunter gegangen, um ihm zu zeigen, wie man das macht. Das hat sie so lange wiederholt, bis er mit ihr herunter gegangen ist. Ab da hatte er nie wieder Probleme mit Stufen.
Leider ist Baba mittlerweile fast taub und die Augen funktionieren auch nicht mehr so gut. Aber sie genießt ihr Leben und wenn’s um die Wurscht geht, wickelt sie immer noch jeden um den Finger
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